Wie funktioniert der Gleichgewichtssinn und warum Kinder gerne Schaukeln

Wie funktioniert der Gleichgewichtssinn und warum Kinder gerne Schaukeln
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Wem schon einmal aus irgendwelchen Gründen einmal schwindlig geworden ist, hat etwas erlebt, das der Gleichgewichtssinn auslöst.

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Kinder beim Spielen im Kindergarten – © dmitrimaruta / photodune.net

Bei manchen Menschen reagiert beispielsweise das Gleichgewichtsorgan heftig auf raschen Höhenwechsel. Im Flugzeug erleben wir das Funktionieren des Gleichgewichtsorgan eindrücklich, wenn es startet und rasch an Höhe gewinnt. Es bewegt sich vom Steilflug in einen Flug auf gleichbleibender Höhe. Der Effekt ist im Fahrstuhl ähnlich. Dabei wirkt die senkrechte Beschleunigung auf das Gleichgewichtsorgan ein. Training erzeugt einen Gewohnheitseffekt.

Vor allem bleiben ängstliche Folgen in der Regel aus. Bei Menschen, die Höhenangst haben, kann dieses Erleben zu Panik führen.

Infektionen können sich in Form eines Schwindelgefühls bemerkbar machen, ebenso wie Tumoren im Gleichgewichtsorgan.

Den Gleichgewichtssinn bei Kindern optimal födern

Was ist der Gleichgewichtssinn?

Der Gleichgewichtssinn sitzt im Innenohr im sogenannten Labyrinth. Durch ihn stellen wir fest, wo wo wir uns im Raum befinden und auf welche Art wir in Bewegung sind. Dieser Sinn registriert das Stehen und Liegen und die gesamte Körperhaltung.

Das Innenohr verarbeitet die Auswirkungen der Schwerkraft und steuert die entsprechenden Reize für die Muskulatur durch das Gehirn. Der Gleichgewichtsapparat besteht aus fünf einzelnen Bestandteilen, den drei Bogengängen und den beiden Vorhofsäckchen.

Der eine Bogengang, der Utriculus, ist für das Wahrnehmen der horizontalen Beschleunigung zuständig, der andere, der Sacculus, registriert die vertikale Beschleunigung. Das Innenohr weist insgesamt drei Bogengänge auf. Durch die Erregung in den verschiedenen Bogengängen, die blitzschnell weitergeleitet wird, kann das Gehirn die Lage des Körpers errechnen.

Die Bogengänge enthalten Endolymphe. Die Bögen haben eine Erweiterung, die Ampulle, wo die Haarzellen sitzen.

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Außen-Innen- und Mittelohr – © schaukeltiere.net (CCO)

Wird nun der Kopf gedreht, arbeitet der sich drehende Kopf gegen die träge stehende Endolymphe in den Bogengängen. Die fließt dann gewissermaßen rückwärts. Dadurch werden die Haarzellen in der „Kuppel“ geknickt. Ein elektrischer Reiz entsteht. Auf Grund des elektrischen Impulses errechnet das Gehirn die Position des Körpers im Raum.

Der Gleichgewichtssinn entwickelt sich bereits während der Schwangerschaft

Die Entwicklung des Gleichgewichtsorgans im Mutterleib findet etappenweise statt:

  • Am Ende der 4. Schwangerschaftswoche ist der Embryo entstanden. Das Herz beginnt zu schlagen. Am Kopf entstehen kleine Einstülpungen. Sie befinden sich an den Stellen, an denen sich die Ohren entwickeln. Das Innenohr ist bereits ausgebildet.
  • In der 7. Schwangerschaftswoche ist das Gleichgewichtsorgan vorhanden. Das Kind dreht im Mutterleib bereits in mehrere Richtungen. In der 8. Schwangerschaftswoche ist das sich entwickelnde Kind ein Fötus geworden. Der Fötus ist jetzt drei Zentimeter groß und wiegt etwa zehn Gramm.
  • In der 14. Schwangerschaftswoche, also zu Beginn des vierten Schwangerschaftsmonats, ist der Gleichgewichtssinn, in seiner Entwicklung fortgeschritten. Er kann nun Reize wahrnehmen, die an das Gehirn weitergeleitet werden.
  • Die volle Entwicklung erreicht das Gleichgewichtsorgan in der 21. Schwangerschaftswoche, also im fünften Monat der Schwangerschaft. Der Fötus kann sich nun schon orientieren. Er nimmt sich jetzt auch selbst wahr.

Das Gleichgewichtsorgan lässt die Kinder gerne schaukeln

Der Grund, warum Kinder so gerne schaukeln, findet sich im Gleichgewichtsorgan. Dies erzeugt bei den Kindern eine Art Lustgefühl. Die Haarzellen im Gleichgewichtsorgan bewegen sich dabei. Man kann sich deren Bewegung ungefähr vorstellen wie die Bewegung der Ähren in einem Getreidefeld im Wind.

Hier finden wir auch das uralte Geheimnis der Kinderwiege, durch das Kinder besser einschlafen. Auch das auf dem Arm in den Schlaf wiegen bringt ein ähnliches Ergebnis. Entweder nehmen Sie Ihr Kind auf den Arm und wiegen es sanft hin und her oder sie legen es in ein Wiegenbettchen, das Sie in eine Wippbewegung bringen.

Ein Schaukelpferd oder ein anderes Schaukeltier ist ein ganz hervorragendes Gerät, das den Gleichgewichtssinn Ihres Kindes gut trainiert und gleich auf mehreren Ebenen positive Ergebnisse bringt.

Kinder, die sich viel bewegen und Motorik, Rechnen, Lesen und Schreiben

Man hat beobachtet, wie die Entwicklung der Grundmotorik bei Kindern durch Spiele gefördert wird. Es ist nicht verwunderlich, dass Kinder beim Schaukeln manchmal auch den Kopf nach hinten und nach unten hängen lassen. Der tiefere Sinn: Motorik und Koordination sämtlicher Bewegungen der Kinder werden auf diese Weise optimiert. Nachgewiesen ist, dass Wiegen und Schaukeln erhebliche, positive Auswirkungen auf Lesen, Schreiben und Rechnen hat. Beim Lesen und Schreiben kann es zu Buchstabenverwechslungen kommen, etwa von b und d.

Im Rechnen kommt Ihr Kind besser mit abstrakten Größen wie Zahlenform, Größen und Längenmaßen zurecht, wenn es gelernt hat sich in unterschiedlichen Räumen zu bewegen.

Wenn ein Kind begriffen hat, was größer, kleiner, näher oder weiter weg, oben oder unten ist, ist es im Mathematikunterricht oft erfolgreicher. Ein Beweis dafür ist, dass sich nachweisen ließ, dass Kinder, die nicht problemlos rückwärts laufen konnten, Probleme beim Subtrahieren zeigten!

Mein Kind hat Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht – was tun?

Es ist wichtig, dass auf die Bewegungen der Kinder geachtet wird, besonders wenn ein Kind in irgendeiner Form nicht mithalten kann. Da Spiele oft sozialer Natur sind, geraten Kinder mit gestörtem Gleichgewichtssinn ins Hintertreffen.

Abhilfe können Übungen und Spiele schaffen, die das Gleichgewichtsorgan trainieren. Radfahren ist eine ideale Übung. Wichtige Voraussetzung ist häufiges Wiederholen. Man kann Kinder animieren, mit einem Buch auf dem Kopf durch den Raum zu gehen, ohne dass es herunterfallen darf.

Oder man legt eine lange Schnur auf den Boden, auf der das Kind laufen soll. Auch ein Hindernisparcours kann Spaß machen, am meisten mit verbundenen Augen. An Wippen und Klettermöglichkeiten auf Spielplätzen braucht ein Kind den nötigen Freiraum. Hinzu kommt noch, dass Kinder auf einem Spielplatz am sozialen Lernen teilnehmen, weil sie aufeinander achten müssen. Kinder sollten immer mal beobachtet werden.

Die Beschaffenheit des Untergrundes, auf dem Menschen gehen, übt das Gleichgewichtsorgan, daher ist barfuß gehen wichtig. Es ist ein Unterschied, ob man auf einem festgetretenen Sandweg läuft, auf weichem Waldboden, auf Kies oder Sand. Wenn Störungen auftreten, sollten Sie als einen Arzt aussuchen, der Ihr Kind komplett durch checkt. Er wird dann eventuell eine spezielle Krankengymnastik verordnen oder andere Maßnahmen vorschlagen.

Fazit

Vielen Lebewesen ist aus gutem Grund ein Gleichgewichtssinn gegeben. Er ist an vielen positiven Ergebnissen beteiligt, sodass deutliche Störungen auftreten, wenn er nicht funktioniert.

Gerade dieses Organ gewährt vielen Lebewesen das Überleben. Man denke nur an Affen, von denen manche beinahe ihr ganzes Leben auf sich hin – und her wiegenden Bäumen verbringen.

Wir wissen jetzt also, warum sich Kinder gern spielen und sich bewegen!

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